Kursfahrt Genf 2016: die wahre Geschichte

Die Physik-Leistungskurse auf den Spuren von Proton-Proton-Kollisionen am CERN

Vom 10. bis 14. Oktober 2016 fanden alle Kursfahrten des 12. Jahrgangs statt, die beiden Physik-Leistungskurse von Herrn Beumler und Herrn Janiszewski sind hierbei nach Genf in die Schweiz gereist. Das Hauptziel dieser Fahrt war der Besuch des CERN-Geländes, unter dem sich der große Teilchenbeschleuniger LHC mit einem Umfang von knapp 27 Kilometern befindet.

Tag 1: Anreise / Genf

Der erste Tag begann für alle Beteiligten sehr früh. Der Flug ging bereits um 7 Uhr in der Früh, weshalb wir bereits um 3-4 Uhr aufstehen mussten, um uns um 5 Uhr am Flughafen Schönefeld treffen zu können. Der Flug dauerte eineinhalb Stunden, ohne große Verspätung kamen wir um kurz nach halb neun am Genfer Flughafen an. Dann ging es mit dem Bus zum Busbahnhof im Zentrum der Stadt, von da aus liefen wir zu Fuß zu unserem Hostel, welches mit am billigsten in der Stadt war. Nach der Ankunft hatten wir drei Stunden Freizeit, da wir erst um 14 Uhr einchecken konnten. Schnell haben wir die Betten bezogen und sind gemeinsam um 15 Uhr für einen Spaziergang durch Genf aufgebrochen.

Zwei Wochen zuvor mussten wir uns in kleinen Gruppen für eine „Attraktion“ in der Genfer Innenstadt entscheiden, zu der wir einige Worte sagen sollten. Haben wir keine oder ungenügend Informationen gefunden, wurde eine Geschichte erfunden, und zwar musste es eine persönliche Erfahrung mit dem Ort sein. Außerdem sollte die jeweils nächste Gruppe die gesamte Truppe zu dem Ort führen, auch wenn sie nicht wusste, wo er liegt. Zum Glück hatten wir vorher eine Karte Genfs erhalten, womit uns die Orientierungslosigkeit einiger Schüler nicht zum Verhängnis wurde.

Der Spaziergang begann am Wasser, d.h. am Genfer See, der nur drei Querstraßen vom Hotel entfernt war. Bei schönem Sonnenschein, jedoch sehr milden – und für manch einen kühle – Temperaturen liefen wir am See entlang, einmal durch die Altstadt mit einem kurzen Besuch in der Kathedrale St. Pierre, erneut zum Wasser und durch einen Garten mit der letzten Station, dem „schwarzen Hafen“, an dem eine „wahre“ Geschichte über die Möwenplage im 13. Jahrhundert erzählt wurde. Bei Sonnenuntergang fuhren wir mit dem Wassertaxi wieder auf die andere Seite des Sees für die Rückkehr ins Hostel, wobei wir aufgrund der hereinbrechenden Kälte zwei Stationen ausließen und diese auf die nächsten Tage verlegten. Der Spaziergang war keineswegs langweilig und langwierig, er wurde geprägt von lustigen, amüsanten Geschichten, von denen wir alle wussten, dass sie nicht stimmten.
Nach dem Abendessen gingen die meisten bereits früh (22 Uhr) schlafen, da es für alle ein sehr langer Tag gewesen war.

Tag 2: CERN

Wie der erste Tag begann auch der zweite recht früh, bei weitem aber nicht so tief in der Nacht wie zuvor. Um kurz vor 8 verließen wir das Hostel in Richtung Busbahnhof, von dem aus wir mit der Straßenbahn zum CERN-Gelände gefahren sind. Dort haben wir uns einen einstündigen Vortrag über den CERN / LHC angehört, der trotz des Interesses der allermeisten mit einigen zufallenden Augen in dem für den Beamer abgedunkelten Raum nicht vollständig angehört wurde. Danach ging es mit dem coolen Opi, der den Vortrag hielt, mit dem Bus zu einer Fertigungshalle für Magnete, in der die drei zuvor aufgeteilten Gruppen eine Führung auf Deutsch, Englisch / Deutsch und Englisch erhielten. Letztere war aufgrund des indischen Akzents des Mannes nicht sehr gut zu verstehen. Nichtsdestotrotz blieben die Bilder der Halle im Kopf. Anschließend ging es mit dem Bus weiter, die Hälfte ging in ein Kontrollzentrum, in dem auch die ISS überwacht wird, die andere Hälfte ins andere Kontrollzentrum, in dem Einstellungen zum Beschleuniger getroffen werden.

Mittag gab es in der CERN-Mensa, leichte Kritik hagelte es allerdings von überall. Im Anschluss besuchten wir zwei Ausstellungen, und zwar über Mikrokosmos und die Entstehung des Universums. Ab ca. 14 Uhr waren wir freigestellt. Während manche bereits nach Hause fuhren, blieben einige Wenige noch bis 17 Uhr in den Ausstellungen. Bis auf das gemeinsame Abendessen konnte die uns gewährte Freizeit genossen werden. Auch an diesem Tag sind viele schon recht früh schlafen gegangen.

Tag 3: United Nations / Botanischer Garten

Wenn der Wecker nicht bereits um 6 Uhr losgegangen ist, konnten wir alle am Mittwoch bis ungefähr 8 Uhr ausschlafen, um Viertel nach 9 ging es mit dem Bus zur UN (United Nations / Vereinte Nationen). Die dortige Führung durch das Gebäude ermöglichte uns den Blick in einige Konferenzräume sowie auf das komplexe System der UN.
Danach sind wir durch die Parkanlagen in der Nähe des UN-Gebäudes gelaufen und haben uns den Botanischen Garten angeschaut. Mit dem Bus ging es zurück zum Hostel und ab dem Mittag hatten wir erneut Freizeit. Obwohl manch einer durchgängig am Handy hing, gab es viele Spielerunden oder Spaziergänge in der Stadt.

Tag 4: Wandern? Besser nicht...

Der Donnerstag fing um ca. 8 Uhr an, nach dem Frühstück haben wir beredet, ob wir – wie geplant – wandern wollen oder nicht, da es durchgängig geregnet hat; zwar nicht in gießenden Strömen, aber es war auch nicht nur Nieselregen. Mit der Entscheidung, dass wir nicht gemeinsam wandern gehen, hatten wir den ganzen Tag frei. Wir konnten eigenständig in die Museen in Genf gehen, von denen fast alle kostenlos waren, doch die meisten blieben im Hostel und wanderten gegebenenfalls nur kurz zum Supermarkt um die Ecke für ein paar Snacks. Denn unten im TV-Raum des Hostels fand eine Pokerrunde statt. Ansonsten gab es andere kleine Spielrunden oder das Handy, das das Gucken von Videos ermöglichte. Am späten Nachmittag startete eine Filmvorstellung von uns. Den Laptop an den Fernseher angeschlossen, haben wir Matrix geschaut und im Laufe des Films kamen immer mehr nach unten. Nach dem Abendessen fand eine Werwolf-Runde ganz oben im Gebäude – im Leseraum – statt. Der Donnerstag war also ein sehr entspannter Tag.

Tag 5: Museum der Geschichte der Wissenschaften / Abreise

Um kurz vor 8 Uhr begann für viele der letzte Tag der Reise. Nach dem Frühstück hieß es Koffer packen für all diejenigen, die es nicht schon Donnerstag gemacht haben. Um 10 Uhr schon mussten wir das Hostel verlassen, allerdings konnten wir unsere Koffer noch in der Tiefgarage des Hostels einschließen. Gemeinsam ging es dann ins Wissenschaftsmuseum Genf, oder eher Museum der Geschichte der Wissenschaften, denn es wurden Experimente oder Gerätschaften, im Laufe der Zeit entwickelt, dargestellt. Bis 17:15 Uhr waren wir dann freigestellt, viele sind wieder ins Hostel – was uns glücklicherweise gestattet wurde – und aufgrund des noch immer andauernden Regens auch dort geblieben. Wir alle haben unten im TV-Raum die Zeit überbrückt. Schließlich sind wir zum Busbahnhof, mit der Bahn zum Flughafen und um kurz nach 18 Uhr angekommen. Der Flieger hob nicht, wie geplant, um 20:55 Uhr, sondern um 21:30 Uhr ab, sodass wir um 23 Uhr in Schönefeld ankamen und uns unsere Eltern abgeholt haben. Nach diesem letzten anstrengenden Tag konnte sich jeder ins Bett fallen lassen und die Herbstferien genießen – oder die BLL machen.

Résumé

Die Kursfahrt nach Genf ist von allen, die mitgefahren sind, weiterempfohlen worden. Wir hatten nicht immer etwas gemeinsam zu tun und der Tag war nicht immer durchgeplant, sodass evtl. Langeweile entstand, doch vielleicht war das gar nicht mal so schlimm, weil wir uns so alle nochmals besser kennengelernt haben. Auch wenn ab sofort nicht mehr zum Zielort geflogen werden darf, kann eine lange Bus- / Bahnfahrt auch Spaß machen.

Generell zu Genf ist noch zu sagen, dass es im Vergleich zu anderen Städten unglaublich teuer ist. Bei dieser Fahrt wurde fast das Budget gesprengt, da die Unterkunft sehr kostenintensiv war und allein dafür fast der Höchstbetrag von 480 € hingelegt werden musste. Bei den Lebensmitteln muss man mit einem zwei bis drei Mal so hohen Preis wie in Deutschland rechnen, wobei Baguettes im Vergleich zu den anderen Nahrungsmitteln recht billig waren. Da wir an keinem Tag Mittagessen und am Mittwoch auch kein Abendessen im Hostel hatten, mussten wir genug Geld mitbringen, um uns mit Essen zu versorgen. Hier wurden manche kreativ und haben sich Hot Dogs gebastelt, andere Baguette mit Aufstrich gegessen, etwas Gesundes war auch dabei. Weitere wiederum gingen ins Restaurant für eine Pizza (14€ bzw. 14 CHF aufwärts) oder ein Fondue – oder haben sich bei McDonalds für 15€ ein Menü bestellt.

Man sieht also, dass Genf sehr teuer ist. Man kann jedoch mit Euro bezahlen (1€ ungefähr = 1 CHF), das Wechselgeld erhält man in Schweizer Franken. In Genf wird Französisch gesprochen, aber auch ohne gute Französisch-Kenntnisse kommt man dort gut zurecht.

Das Geneva Hostel war im Überblick ganz gut, wir hatten unsere Privatsphäre und hatten Glück, dass wir in den Zimmern unter uns waren. Als Zimmer hatten wir ein 5er-Zimmer für die Mädchen, ein 8er-Zimmer für eine und ein 12er-Zimmer für die andere Jungstruppe. Obwohl es große Zimmer sind, war es nicht so schlimm, wie es sich anhört. Zweistockbetten gab es in jedem Zimmer, WLAN war kostenlos und fast überall mit gutem Empfang, für jeden gab es ein Schließfach im Zimmer, für alle Räume eine Magnetkarte, die jeder von uns erhielt. Der einzige Knackpunkt war die schlecht gelöste Toilettenlage, denn es gab nur eine Toilette und Dusche für je ein Geschlecht pro Etage, die Hygiene war auch nicht top.

Ansonsten war es allenfalls eine tolle Kursfahrt!


Für die Physik-Leistungskurse des 12. Jahrgangs 2016/2017

Niklas Forner & Felix Seegmüller

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