Schulprogramm & Leitbild

Schulprogramm

Das Schulprogramm der Beethoven-Schule entstand im Juni 2006 auf der Grundlage einer intensiven Zusammenarbeit von Lehrern, Schülern und Eltern.
Es ist im Oktober 2010 um den Passus der Profile (Kapitel 1.2.) ergänzt worden und wird gegenwärtig in verschiedenen Gruppen fortgeschrieben.
Der dann erreichte Stand soll im November 2011 vorliegen und wird an dieser Stelle veröffentlicht.
 

Leitbild

Eine demokratische Schule

Wir unterliegen als öffentliche allgemeinbildende Schule auch den von außen gesetzten Normen, z.B. dem Grundrechtskatalog des Grundgesetzes oder dem Paragraphen 1 des Berliner Schulgesetzes. Im Leitbild unserer Schule werden unsere spezifischen Vorstellungen davon bei unserem täglichen Bemühen, Schule zu gestalten, sichtbar.
Wir verstehen uns als eine demokratische Schule. Deshalb muss unser Leitbild pluralistisch angelegt sein, was zur Folge hat, dass es in seiner Zielformulierung notwendigerweise auf einer allgemeinen Ebene bleiben muss; andererseits müssen die Ziele im Alltag wirksam und einlösbar sein, in dem Sinne, dass das konkrete Handeln im Unterricht oder in sonstigen schulischen Veranstaltungen ihm nicht widersprechen darf, dass in Streit- oder Konfliktfällen das Leitbild zur Lösung herangezogen werden kann und dass schulisches Handeln als Ganzes einerseits normativ und andererseits selbstreflexiv ausgerichtet ist.

Schule als eigenständiger Wert

Wir streben eine Schule an, die von unseren Schülerinnen und Schülern als eigenständiger Wert erlebt wird. Wenn in der Schule oder in der Klasse ein Gemeinschaftsgefühl entsteht, wenn unsere Schüler sich mit unserer Schule identifizieren (was mehr ist als Corporate Identity), weil sie in ihr ein Stück Geborgenheit erfahren, weil sie sich selbst als unverwechselbar und deshalb unverzichtbar in einer ihnen wohlgesonnenen sozialen Umgebung wahrnehmen, dann werden sie Teile dieses Ver- und Zutrauens in ihr eigenes soziales Handeln integrieren können. Sie werden so in der Lage sein, es in anderen Kontexten in einer Art unspezifischem Lerntransfer von Gewöhnung, Einsicht, Erfahrung und Reflexion zu reproduzieren. Die Beethoven-Schule soll Schonraum und Ernstfall zugleich sein, wobei Selbständigkeit und Eigenverantwortung unserer Schülerinnen und Schüler mit zunehmendem Alter wachsen.

Ganzheitliche Bildung

Die Beethoven-Schule sieht sich einem ganzheitlichen Ansatz von Bildung verpflichtet.Dies meint neben dem Lernen im Unterricht auch Angebote, die sich nicht vorrangig an kognitive Fähigkeiten richten, und die Einbeziehung außerschulischer Lernorte. Unterricht ist die wichtigste Veranstaltung, andererseits haben wir auch Bildungs- und Erziehungsverpflichtungen über das Lernen im Unterricht hinaus.

Soziales Lernen

Wir wollen deshalb das soziale Lernen, das, was an Menschenbildung ohne Curriculum im täglichen Umgang von Lehrern und Schülern und vor allem von Schülern untereinander geschieht, beeinflussen, soweit es institutionell erfassbar ist. Dabei muss deutlich werden, dass Lehrer und Schüler in ihrer jeweiligen Funktion und Aufeinanderbezogenheit sowohl unsere Schule als Ganzes repräsentieren, als auch, in der jeweils individuellen Ausprägung, jeder für sich gestalten. Anders gesagt: Die Beethoven-Schule stellt kein statisches Gebilde dar, sie muss jeden Tag von Neuem geschaffen werden, und dafür sind alle verantwortlich.

Eltern

Wir Eltern der Beethoven-Schule sind Mitgestalter des Schullebens. Wir fühlen uns verantwortlich für das Wohl der Schule und wirken in vielen Bereichen aktiv mit. Wir sind darauf bedacht, durch eine gute Kommunikation mit allen an der Schule beteiligten Gruppen den Informationsfluss und die Verständigung zu fördern. Die Eltern setzen sich für eine bestmögliche Förderung ihrer Kinder ein und tragen dazu bei, die Rahmenbedingungen dafür zu verbessern.

Schüler

Respekt und Toleranz im Umgang miteinander stehen für uns Schüler an erster Stelle. Dieses zeigt sich auch in unserer jahrgangsübergreifenden Kommunikation. Wir nehmen unser Recht wahr, in einem demokratisch gewählten Gremium, der Schülervertretung, zusammenzutreten, um das Schulleben aktiv mitzugestalten. Darüber hinaus engagieren wir uns auch vielfach außerhalb des Unterrichts für die Schule, wobei unsere weitgefächerten Interessen zum Ausdruck kommen. Wir streben danach, die an uns gestellten Lern- und Leistungsanforderungen bestmöglich zu erfüllen, wobei wir davon ausgehen, dass die Schule allen Schülerinnen und Schülern gemäß ihrem Alter und ihrer Entwicklung ein Höchstmaß an Mitwirkung und Erziehung garantiert, damit wir unseren Bildungsweg individuell und eigenverantwortlich mitgestalten können, um uns zu selbstständigen Persönlichkeiten zu entwickeln.

Lehrer

Wir Lehrerinnen und Lehrer streben an, unsere Schülerinnen und Schüler zu eigenverantwortlich handelnden Menschen zu erziehen. Dabei vermitteln wir ihnen Wissen, die Fähigkeit zu selbstständigem Lernen sowie soziale Kompetenzen. Wir beraten und unterstützen sie in diesem Lernprozess. In diesem Kontext sind Eltern unverzichtbare Partner. Teamarbeit innerhalb des Kollegiums ist ein wichtiges Ziel, um kollegiale Zusammenarbeit zu stärken.
Wir streben als Kollegium im Umgang miteinander flache Hierarchien an, was sich unter anderem in einer seit Jahren praktizierten Erweiterten Schulleitung niederschlägt, die auch in Zukunft fester Bestandteil des Schulalltags sein wird.

Musisch-ästhetische Bildung

Musisch-ästhetische Bildung stellt einen Schwerpunkt an der Beethoven-Schule dar. Er umfasst als Verbindung verschiedener Kulturdisziplinen die Fächer Musik, Bildende Kunst, Darstellendes Spiel und Deutsch. Die Kernbereiche dieser Fächer verbinden sich im Bemühen um Kunst in allen denkbaren Varianten, in der Formensprache ebenso wie im Entwickeln eines fächerübergreifenden Verständnisses für Kultur und deren Geschichte. Ziel ist die Förderung des ästhetischen Wahrnehmungs- und Erkenntnisvermögens, die Ausbildung einer ästhetischen Urteilskompetenz und in besonderem Maße die Erprobung eigener künstlerischer Fähigkeiten. Eine fundierte musisch-ästhetische Bildung trägt wesentlich zur Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit bei, sie wirkt sich auch positiv auf die kognitiven und die sozialen Fähigkeiten aus und erlaubt die aktive Teilnahme am kulturellen Leben als Möglichkeit einer sinnerfüllten Lebensgestaltung von der Jugend bis ins hohe Alter.

Fremdsprachliche Bildung

Ein weiterer Schwerpunkt der Beethoven-Schule liegt im fremdsprachlichen Bereich. Wir sind eine von fünf Schulen in Berlin, die im Rahmen des Europäischen Entwicklungs- und Kooperationsprogramms (EKP) arbeitet. Gerade in der Zeit eines vereinten Europas wollen wir die Schüler dazu befähigen, in einen lebendigen Gedanken- und Meinungsaustausch mit Menschen aus anderen Kulturen zu treten.

Politische Bildung

Wir wollen über die Kenntnis- und Reflexionsebene hinaus unsere Schülerinnen und Schüler befähigen, aktiv am politischen Leben teilzunehmen und schließen dabei die eigene Schule als Handlungsfeld nicht aus. Wenn Schule ein Haus für junge Menschen sein soll, wozu wir uns ausdrücklich bekennen, dann kann dort nicht nur mit dem Kopf gelernt werden, dann muss es auch Handlungen und Aktionen geben.
Auf der gesellschaftlichen Ebene fühlen wir uns insbesondere verpflichtet, der Ausländerfeindlichkeit in unserem Land offensiv zu begegnen, indem wir in anderen Kulturen das Bereichernde, nicht das Trennende sehen, indem wir neugierig sind und uns nicht abschotten. Wo Ausländerfeindlichkeit herrscht, sind Nazis jeglicher Spielart nicht weit. Wir betrachten es als ausdrückliche Aufgabe, nationalsozialistischen und rechtsextremen Erscheinungen und Tendenzen in unserer Gesellschaft aktiv entgegenzuwirken. Basis dafür ist ein kritischer Umgang mit diesem Teil unserer Geschichte, ohne sie andererseits darauf zu reduzieren. Wir treten jeglichen intoleranten und extremen politischen und religiösen Erscheinungen und Tendenzen entgegen.
Im Rahmen unserer fest verankerten Partnerschaftskontakte mit Schulen im Ausland wollen wir den jungen Menschen die Möglichkeit eröffnen, auf Austauschfahrten nicht nur ihre fremdsprachliche Kompetenz zu erproben und zu erweitern, sondern sich intensiv mit der anderen Kultur und dem alltäglichen sozialen Umfeld zu befassen. So können sie mit den ausländischen Partnern in eine lebendige, diskussionsoffene und freundschaftliche Beziehung treten.
Selbsttätigkeit und Selbstverantwortung drücken sich außerhalb des Unterrichts auch in aktiver Teilhabe am schulischen Leben aus. Deshalb unterstützt die Schule alle Aktivitäten von Schülerinnen und Schülern, solange sie mit dem Schulzweck vereinbar sind. Wenn sie Vorschläge einbringen, soll nach Möglichkeiten der Realisierung gesucht werden. Wenn dem andere berechtigte Interessen entgegenstehen, sollen sie ihnen erläutert werden.

Unsere Bildungs- und Erziehungsziele

Wir sehen uns in der Schule grundsätzlich mit zwei Zeitebenen konfrontiert: Wir müssen in der Gegenwart definieren, was für die Zukunft der Schüler relevant ist. In früheren Jahren wurde dieses Dilemma mit dem Aufstellen eines Wissenskanons gelöst. Da im Informationszeitalter Wissen jedoch immer schneller veraltet bzw. durch neue Erkenntnisse ersetzt wird und andererseits nahezu unbegrenzt über das World-Wide-Web zur Verfügung steht, ist es notwendig, die Ziele von Schule über Kompetenzen zu definieren, die in ihrer Anwendung sowohl das kanonisierte Wissen einschließen als es auch erlauben, situationsangemessen darüber hinauszugehen. Bildung und Qualifikation sind heute daher einem ständigen Wandel unterworfen, müssen in der Zielvorstellung jedoch immer vier Dimensionen abdecken:

  1. Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit
  2. Teilhabe an der Gesellschaft
  3. Bewahrung der Umwelt
  4. Studierfähigkeit und Berufsfähigkeit

Wir gehen davon aus, dass diese Ziele unter folgenden Prämissen erreichbar sind, wobei dies prozesshaft und demzufolge nie als abgeschlossen anzusehen ist.

1. Intelligentes und anwendungsfähiges Wissen

Jedes sinnerfüllte Denken, Lernen und Handeln erfordert die individuelle Verfügbarkeit von Wissen. Fehlende Kenntnisse können bei der Lösung komplexer Aufgaben nicht durch Intelligenz ersetzt werden. Intelligentes Wissen beruht auf einem Verstehen von fachlichen und fächerübergreifenden Phänomenen, es kann sowohl automatisiert als auch reflexiv genutzt werden ("gewusst was, gewusst warum und gewusst wie").
Anwendungsfähig ist ein Wissen dann, wenn es aus der systematischen Ordnung des zunächst erlernten Gebietes herausgelöst und auf eine neue Situation transferiert werden kann. Dieser Vorgang muss, bevor er dem Schüler routinemäßig zur Verfügung steht, vielfach variiert und geübt werden, was am besten in authentischen Lernsituationen, z.B. im Projektunterricht, geschieht.

2. Aufbau einer Lernkompetenz (Lernen des Lernens)

Das Erlernen des Lernens erfordert auch an unserer Schule ein neues Denken von Schule, was wir allerdings schon seit einigen Jahren mit der Teilnahme an dem Projekt "Pädagogische Schulentwicklung" (in Anlehnung an Klippert), den Nachhaltigkeitsprojekten in der 11. Klasse in der Umsetzung der Agenda 2000 und den SOL-Projekten (selbstorganisiertes Lernen) begonnen haben. Aber wir müssen diesen Bereich ausbauen, indem wir uns nicht nur vorrangig auf das Lernergebnis konzentrieren, sondern den Lernprozess selbst zum Gegenstand des Unterrichts machen. Es ist also erforderlich, dass während und nach jeder Lerneinheit gemeinsam von Lehrkraft und Schülern analysiert wird, wie das Lernen stattgefunden hat bzw. wie es sinnvoller Weise hätte stattfinden sollen. Am Ende muss sich Wissen über die Fakten und Wissen über das eigene Vorgehen verbinden; erst dann ist auch auf beiden Ebenen ein Lerntransfer auf neue Gebiete möglich und gesichert. Für diese Art von Reflexion ist zunehmend der Schüler selbst verantwortlich.

3. Auf den Unterricht bezogene allgemeine Kompetenzen - Sichere Beherrschung der deutschen Sprache als Voraussetzung der Fähigkeit, sich nuancenreich und kreativ ausdrücken zu können
  • Sichere Beherrschung der englischen Sprache als einer lingua franca unserer Zeit, um sich international verständigen zu können
  • Aktive Verwendung einer weiteren Fremdsprache zur Kommunikation mit Menschen aus dem entsprechenden Sprachraum
  • Die Fähigkeit, mathematische Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge verstehen und anwenden zu können
  • Die Fähigkeit, naturwissenschaftliche Zusammenhänge zu begreifen, sie zu erklären und für das eigene Leben nutzbar machen zu können
  • Die Fähigkeit, musische und ästhetische Elemente wahrzunehmen, zu analysieren und genießen zu können
  • Die Fähigkeit, eine ethische und philosophische Urteilsfähigkeit zu entwickeln und damit einen rational begründbaren Standpunkt innerhalb unserer Gesellschaft zu finden
  • Die Fähigkeit seinen Körper so auszubilden und zu trainieren, dass die Voraussetzung für eine aktive Gesundheit des eigenen Körpers und Freude an der Bewegung gegeben sind
  • verantwortungsvoller Umgang mit neuen Medien.

4. Soziale Kompetenzen

Über die grundlegenden Kompetenzen muss zwischen Lehrern, Eltern und Schülern eine Verständigung herbeigeführt werden. Wenn ein Konsens nicht in allen Bereichen zu erzielen ist, müssen für die strittigen Teile Regelungen gefunden werden. Ein solcher Prozess der Verständigung ist in sich schon ein bedeutsames Lernfeld.
Wir wollen unsere Schülerinnen und Schüler für folgende Handlungsfelder sensibilisieren und versuchen, sie in diesen Bereichen positiv zu beeinflussen:

  • Die Perspektive anderer einnehmen (kognitiv, emotional und sozial)
  • Interessen aushandeln, dabei den Umgang mit Mehrheiten und Minderheiten lernen
  • Konflikte bei gegensätzlichen Interessen regeln unter absoluter Priorität gewaltfreier Lösungen (Erweiterung des ursprünglichen Spektrums von Flucht oder Angriff)
  • Eigene Bedürfnisse rational und fair im Sinne einer Suche nach einem Kompromiss einbringen (d.h. Regelungen, die für alle akzeptabel sind)
  • Einen partnerschaftlichen Umgang mit dem anderen Geschlecht erlernen und praktizieren
  • Mit Behinderten integrativ umgehen
  • Konkurrenzsituationen fair regeln
  • Verhinderung von Ausgrenzungen jeglicher Art
  • Selbstachtung entwickeln, die eigene Wirksamkeit und Bedeutung erfahren
  • Eine positive Arbeitshaltung entwickeln (Aufbau einer intrinsischen Motivation)
  • Aufgaben für die Gemeinschaft übernehmen
  • Achtung vor dem Eigentum anderer und dem Eigentum der Schule entwickeln
  • Ehrlich und wahrhaftig miteinander umgehen.


Man kann das Leitbild für die Arbeit unserer Schule in den nächsten Jahren wie folgt zusammenfassen: In einem Bildungskonzept für die Zukunft kommt es weit stärker als früher darauf an, Informationen einzuholen, sie zu sichten und sie zu gewichten und sie anderen Menschen mitzuteilen. Zentraler Aspekt in diesem Prozess ist die Fähigkeit zur Kooperation, zur Problemlösung, zum Interessenausgleich und zu gewaltfreien Konfliktlösung.